Peter Eggenberger

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175 Jahre französische Fremdenlegion:

Der glücklose Oberst aus Arbon

Am 9. März 1831 gründete Bürgerkönig Louis Philipp die Fremdenlegion. War die multinationale Truppe anfänglich eine offensive Kolonialarmee, so stehen heute - 175 Jahre später - friedenssichernde Einsätze im Vordergrund. Erster Kommandant der französischen Fremdenlegion war der glücklos gebliebene Thurgauer Oberst Baron Christoph Anton Jakob von Stoffel aus Arbon.

Peter Eggenberger *

Ausgangs des 15. Jahrhunderts standen unter dem Kommando von Wilhelm von Diesbach 6000 Schweizer in französischen Diensten. In den folgenden Jahrhunderten waren Solddienste von Schweizern für Frankreichs Könige, aber auch für zahlreiche weitere weltliche und geistliche Herren anderer Staaten an der Tagesordnung. Die Revolutionswirren im auslaufenden 18. Jahrhundert und das Ende der Herrschaft von Kaiser Napoleon I setzten dann aber einen weitgehenden Schlusspunkt hinter den Einsatz von Söldnern in Frankreichs regulärer Armee.

Stoffel war arbeitslos und malariakrank

1830 setzte die Eroberung von Algerien ein. Der Bedarf an Truppen stieg. Damit bot sich die willkommene Gelegenheit, dem Staat zur Last gewordene Elemente auf die andere Seite des Mittelmeers, nach Nordafrika, abzuschieben. Kern der neuen Söldnertruppe bildete das in französischen Diensten stehende Regiment von Hohenlohe mit seinen aus der deutschen Bodenseeregion stammenden Landsknechten. Dazu stiessen abenteuerlustige und zwielichtige Figuren aus aller Welt und auch aus der Schweiz. "Und wer soll die Legion kommandieren?" wandte sich Bürgerkönig Ludwig Philipp an einem milden Frühlingstag des Jahres 1831 an seinen Kriegsminister Marschall Nicolas-Jean de Dieu Soult. "Oberst Christoph Anton Jakob von Stoffel ersucht um ein neues Kommando. Er ist zwar bereits 50-jährig und schwer malariakrank. Schicken wir ihn nach Algerien." Der bereits 1817 geadelte und mit dem Titel "Baron" ausgezeichnete Arboner vermochte sich aber gegenüber dem bunt zusammengewürfelten Heerhaufen nicht durchzusetzen, und bereits nach einem knappen Jahr kehrte er resigniert nach Frankreich zurück, wo er 1842 verstarb.

Bundesrat Blocher, Rotkreuzgründer Dunant und Bodensee-Kaiser Napoleon III

Wenige Jahre nach der Gründung wurde die Stadt Sidi-Bel-Abbès im Nordwesten Algeriens zur Legionsmetropole. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts präsentierte sich die Stadt als blühendes, von und mit der Legion lebendes Zentrum. Von grosser Bedeutung war die deutsche Kolonie mit zahlreichen Angehörigen evangelischer Konfession. Deren Pfarrer in den 1890er Jahren war mit Eduard Blocher der Grossvater des heutigen Bundesratsmitglieds Christoph Blocher. Der Fremdenlegion begegnete aber auch Rotkreuzgründer Henry Dunant aus Genf, der sich in den 1850er Jahren als Kolonist und Betreiber von Mühlen in Algerien aufhielt. Als er 1859 den persönlichen Kontakt mit dem damaligen Staatspräsidenten Frankreichs, Napoleon III, suchte (Napoleon III verbrachte seine Jugendzeit auf Schloss Arenenberg am Bodensee und besass das Thurgauer Bürgerrecht), geriet der Genfer in das Inferno der Schlacht bei Solferino in Oberitalien, wo die Legion an vorderster Front kämpfte. Hier wurde die Idee des Roten Kreuzes geboren, und auf dem Schlachtfeld pflegte der zum Samariter gewordene Dunant auch Schweizer Legionäre.

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Die Legion am Bodensee

In den folgenden Jahrzehnten war die Legion ausser in Australien in allen Erdteilen anzutreffen. Auch in Amerika, wo sich Frankreich in den 1860er Jahren zur Ordnungsmacht in Mexiko berufen fühlte und den österreichischen Erzherzog Maximilian als Kaiser einsetzen wollte. Während die Legion Mexiko schon bald wieder verliess, war die Präsenz in den zu Kolonien gewordenen Gebieten in Schwarzafrika, Algerien, Marokko, Tunesien und Indochina (Vietnam, Laos, Kambodscha) von längerfristiger Dauer. Die Legion kämpfte nach dem Ersten auch im Zweiten Weltkrieg, wo sie unter anderem den deutschen Wüstenfuchs General Rommel als Gegenspieler hatte. Gegen Ende des Krieges (Frühling 1945) erreichten Legionstruppen mit anderen Einheiten der französischen Armee unter dem Kommando von General de Lattre de Tassigny das deutsche und österreichische Bodenseeufer, um hier den letzten Widerstand deutscher Truppen zu brechen.

Indochina- und Algerienkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg lösten sich die Kolonialreiche auf, und in Asien und Afrika entstand eine Reihe neuer autonomer Staaten. Sowohl in Indochina als auch in Algerien widersetzte sich Frankreich den Freiheitsbestrebungen, was zu erbitterten Kämpfen führte. Nach der Niederlage bei Dien-Bien-Phu im Mai 1954 zogen sich die Franzosen aus Indochina und 1962 auch aus Algerien zurück. Die von rund 40000 auf knapp 8000 Mann reduzierte Fremdenlegion hatte sich neu zu orientieren und fand in der zwischen Marseille und Toulon gelegenen Kleinstadt Aubagne ihre jetzige Basis. Längst sind die Zeiten der Kolonialarmee vorbei, und heute leistet die Legion im Rahmen von UNO- und NATO-Mandaten friedenssichernde Einsätze. Terrorbekämpfung und Geiselbefreiungen, aber auch effiziente Katastrophenhilfe bei Waldbränden, Lawinenunglücken und Überschwemmungen sind weitere Einsatzgebiete der multinationalen Elitetruppe Frankreichs.

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Stoffel-Büste im Museum Arbon

Oberst Baron Christoph Anton Jakob von Stoffel (1780 - 1842) blieb kinderlos. Leider verfügt weder das Museum Arbon noch das Dokumentationszentrum der Fremdenlegion in F-Aubagne über ein Bild des ersten Legionskommandanten. Sein ebenfalls als Offizier in der französischen Armee tätiger Bruder Augustin Anton Eugen Stoffel-Gelinek (1781 - 1854) hatte einen Sohn: Eugène Georges Henri Celèste von Stoffel (1821 - 1907) war französischer Offizier und Diplomat und spielte vor allem während des deutsch-französischen Kriegs (1870/71) eine bedeutende Rolle. An ihn erinnert im Turm des Museums von Arbon eine Büste.

* Peter Eggenberger war ab 1959 Angehöriger der Fremdenlegion, die er 1964 als Sergent verliess. Im Seminar Kreuzlingen am Bodensee absolvierte er das Lehrerstudium. Seine Legionserlebnisse und die faszinierende Geschichte der Legion schildert er im Kriminalroman "Mord in der Fremdenlegion".

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Berühmte Schweizer Fremdenlegionäre

egb. Der Berner Ulrich Ochsenbein (1811 - 1890) war seit der Gründung des Bundesstaates (1848) Mitglied des Bundesrats. Als seine Gegner 1854 die Wiederwahl verhinderten, wanderte Ochsenbein nach Frankreich aus und übernahm ein Kommando in der Fremdenlegion. Er stieg zum Brigadegeneral auf und war während des deutsch-französischen Kriegs (1870/71) Platzkommandant von Lyon.

Der Waadtländer Albert von Tscharner (1875 -1948) schloss sich 1916 als Hauptmann der Schweizer Armee der Legion an. Er verblieb bis 1933 in französischen Diensten und erreichte den Grad eines Oberstleutnants. Mit diesem Grad wurde er 1939 nicht zuletzt auf Wunsch von General Henri Guisan wieder in die Schweizer Armee aufgenommen und dem Armeestab zugeteilt.

Schriftsteller Friedrich Glauser (1896 - 1938) weilte als schwieriger Jugendlicher im Jahre 1910 im Landerziehungsheim "Glarisegg" am Bodensee. 1921 von seinem Vater in die Legion gebracht, weil er sich für seinen Sohn eine Abkehr von der Drogensucht und mehr Selbstdisziplin erhoffte. Korporal Glauser wurde 1923 wegen eines Herzleidens vorzeitig ausgemustert und schrieb später den Legionsroman "Gourrama".

Auch Henri Guisan (Schweizer General während des Zweiten Weltkriegs) war von der Legion fasziniert. 1951 bereiste er Standorte der Fremdenlegion in Algerien, Tunesien und Marokko. Sein Rat an Landsleute in der Legion: "Absolviere deine vertragliche Dienstzeit und stelle dich nach der Rückkehr den Schweizer Behörden."

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